Schmuserichs Weihnachten

In einem kleinen Dorf lebte ein Kater namens Schmuserich Katzus. Seine Lieblingsbeschäftigung war das, was ihm seinen Namen eingebracht hatte: schmusen. Davon konnte er nie genug bekommen. Seine zweitliebste Beschäftigung war fressen, und gleich danach kam spielen. Gespielt und gefressen hatte er heute schon, aber zum Schmusen hatten seine Menschen keine Zeit. Sie kochten, fuhren mit dem lärmenden Staubsauger durch alle Räume (Staubsauger mochte Schmuserich überhaupt nicht!), sprachen über etwas, das „Weihnachten“ hieß, und verpackten Pappschachteln in buntes Papier. Schmuserich hatte es sich in keiner davon gemütlich machen dürfen! Er hatte wirklich alles versucht, bis die Menschen die Tür zu dem Raum mit den Kartons abschlossen und Schmuserich aussperrten. An der Türklinke war er gescheitert, denn Türklinken waren tückisch und wollten einfach nicht nachgeben. In jenem unerreichbaren Raum stand auch ein frischer Tannenbaum, an dessen Nadeln Schmuserich bereits heimlich gekaut hatte. Der Baum roch nach Wald, was Schmuserich sehr mochte, schmeckte aber widerlich. Er hoffte, dass er später ein Stück vom Braten abbekam, um den Geschmack der Nadeln loszuwerden.
Die Tür zu dem Raum öffnete sich und der große Mensch kam heraus. Dass er die Tür nicht wieder hinter sich schloss, wertete Schmuserich als schlechtes Zeichen. Er schlich hinein und fand seinen Verdacht bestätigt. Alle Pappschachteln waren verpackt und mit Schleifen verziert worden und stapelten sich unter dem Baum.
Der Mensch hätte mir wenigstens eine übriglassen können, dachte der Kater mißmutig. Trotzig biss er in eine der roten Schleifen. Nein, das war kein Ersatz für Pappe. Sollte er vielleicht seine Krallen an einer buntverpackten Schachtel wetzen?
Dann sah er die glitzernden Kugeln, die an den unteren Zweigen schaukelten. Schwach erinnerte sich Schmuserich an ein lang zurückliegendes Erlebnis. Er hatte solche Kugeln von den Zweigen geholt und versucht, sie über den Boden zu rollen. Die meisten waren dabei zu Bruch gegangen. Die Menschen hatten geschimpft, aber Schmuserich war sehr mit sich zufrieden gewesen. Denn er, Katzus der Großartige, hatte die Kugeln ganz allein erlegt.
Der Haken, an dem die Kugel hing, war widerspenstig, aber so leicht gab ein Kater nicht auf! Er schob das runde Gebilde mit der Pfote vom nadelbewehrten Zweig.
„Klong!“ machte es auf dem Boden. Aber die Kugel zerbrach nicht. Schmuserich beschnüffelte sie ausgiebig. Sie roch nach Tanne.
Der Mensch betrat den Raum und sagte amüsiert: „Du hast Glitzer auf der Nase, Schmuserich. Ein richtiger Weihnachtskater bist du.“ Dann stellte er einen großen leeren Karton neben den Baum. „Der ist für dich, mein Lieber. Mit Zeitungspapier drin, damit es schön knistert.“
Dieses Weihnachten-Ding, dachte Schmuserich, als er sich in dem Karton zusammenrollte und zu schnurren begann, ist gar nicht so übel.

© Nadja Neufeldt
Lektorat: Michaela Stadelmann Textflash

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