Marsbücher

 

Ich bin ein unverbesserlicher Fan des Roten Planeten. Schon seit mehr als 30 Jahren ist der Mars meine Nummer 2 unter Planeten des Sonnensystems. Nummer 1 ist die Erde, versteht sich.
Hier stelle ich einige Marsbücher vor, die ich im Laufe der Jahre über den Mars gelesen habe. Ein Marsbuch ist für mich ein Buch, das auf dem Mars spielt (logisch) und den Namen Mars oder Ares im Titel hat. Die eine oder andere Ausnahme gibt es natürlich auch.

Zu allererst natürlich Aёlita von Alexej Tolstoi. Diesen Roman las ich als Teenager, und von einigen Kuzgeschichten Bradburys abgesehen, war dies meine erste literarische Begegnung mit dem Mars. Als sehr junger Mensch neigt man dazu, langweilige Stellen zu überblättern. Nur so kann ich mir die Tatsache erklären, dass Aёlita für mich ein höchst romantisches Werk war. Es handelt von zwei Erdenbewohnern, die Anfang des 20. Jahrhunderts zum Mars fliegen und dort eine Revolution anzetteln. Dabei verliebt sich einer in die Marsprinzessin Aёlita. Leider hat das Buch keinen Happy-end, so dass das traurige Schicksal der Marsprinzessin noch lange in mir nachhallte.
Gut 20 Jahre später las ich das Buch nochmal. Diesmal mit den Augen einer Erwachsenen. Himmel, was für ein Schmarrn… Seitenlange Referate über die Ursprünge der Marsianer und der Menschen, staubtrocken und wirr. Die Romantik, die mich als Jugendliche beeindruckt hatte, kommt nur in kurzen Szenen vor, die für die Handlung eigentlich nicht relevant sind.
Man sollte wirklich nicht alle Bücher ein weiteres Mal lesen.

Das Mars-Labyrinth von David Macinnis Gill
Ich habe es 2018 gelesen, aber aus meiner Erinnerung ist es fast vollständig verschwunden. Es handelt von zwei jungen Söldnern, die auf dem Mars unterwegs sind. Warum wieso weshalb – wen interessiert’s?! Ich weiß bis heute nicht, ob es an meiner damaligen Leseunlust lag oder an dem uninteressanten Text, aber ich habe mehrere Wochen für das Taschenbuch gebraucht. Der Held kam mir zu klugscheißerisch vor, das Herumgerenne von A nach B zu langatmig, die Hintergründe zu unwichtig.
Sollte das Buch mal als Hörbuch erscheinen, höre ich gerne mal rein, aber lesen werde ich es nie wieder. Das Buch ist in einen öffentlichen Bücherschrank gewandert und ich habe es keinen Augenblick lang bereut. Warum ich es gekauft hatte? Ich fand das Cover schön und der Titel beinhaltete das Wort „Mars“ 🙂

Die größte literarische Mars-Enttäuschung war die Mars-Trilogie von Kim Stanley Robinson, bestehend aus Roter Mars, Grüner Mars und Blauer Mars.
Lange hatte ich mich auf Roter Mars gefreut. Die Reise von 100 Menschen zum Roten Planeten, die Kolonisierung, die Terraformung und die Entstehung der marsianischen Gesellschaft sind Themen, die an sich ja superspannend sind. Leider hat der Autor es geschafft, dass ich Grüner Mars abbrach und die Bücher ganz nach hinten ins Regal schob, um sie nie wieder hervorzuholen (außer für Fotos).

Roter Mars (Rezension, 2007)

Handlung:

21. Dezember 2026
Das Raumschiff Ares startet von der Erde aus in Richtung des Roten Planeten. An Bord befinden sich die „Ersten Hundert“, 100 Personen, die sich in jahrelangen Tests und Prüfungen das Privileg erworben haben, die ersten Siedler des Mars zu sein.

Meine Meinung:

Für dieses Buch mit 796 Seiten habe ich fast einen Monat gebraucht, das ist für meine Verhältnisse schon ziemlich lange. Irgendwann musste ich mich regelrecht dazu zwingen, weiterzulesen.

Doch der Reihe nach:
Das Buch besteht aus 8 Teilen und gleich der erste Teil sorgt für Verwirrung, denn er spielt viele Jahre nach der Landung, und man wird gleich mit einer politischen Verschwörung konfrontiert.
Man muss sich als Leser erst einmal durchkämpfen. Der 2. Teil ist der eigentliche Beginn des Buches, denn hier geht es um die Ausreise, die 9-monatige Reise zum Mars. Die Leute auf der Ares lernen sich kennen, es bilden sich Gruppen und Grüppchen, und jede hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie das Leben nach der Landung aussehen sollte. Dieser und der 3. Teil sind die bei weitem interessantesten. Der Rest ist zäh, kompliziert und stellenweise undurchsichtig.

Der Star des Romans ist der Mars selbst, der Autor beschreibt den Planeten so gut, dass man glaubt dort zu sein. Den Bau der ersten Stadt Underhill und die Erkundungen der neuen Welt fand ich klasse, spannend und lebendig.
Danach wird man mit ökologischen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Diskussionen zugedröhnt. Einige Punkte – z. B. das Terraforming und die Einwanderung – haben mich aber nachdenklich gemacht. Das ist einer der wenigen Pluspunkte des Buches.

Die ganze Geschichte von Roter Mars spielt sich in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten ab, die Ersten Hundert, die nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, sind teilweise weit über 80 Jahre alt. Das fand ich sehr ungewöhnlich, denn ich persönlich kenne keine Bücher, in denen 80jährige Helden vorkommen.
Aber eigentlich haben mich die Personen fast die ganze Zeit über gestört. Sie wirken zum großen Teil oberflächlich, ihre Beweggründe bleiben viel zu oft im Dunkeln, ihre Dialoge sind zum Davonlaufen. Keine Ahnung, ob das am Übersetzer liegt, aber ca. jeder fünfte Satz eines Dialogs beginnt mit „Schau“ oder „Seht“. Beispiel: „Schau, ich liebe dich“ oder „Seht, das muss Sabotage gewesen sein“. Nach 800 Seiten und unzähligen Schaus und Sehts bin ich gegen diese Wörter allergisch geworden.

Zu meckern habe ich auch über die russischen Namen im Buch . Maya Katarina Toitovna?! Oder noch besser: Nadezhda Francine. Der Autor hätte wirklich jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt…

Und zu guter Letzt: Mir ist kaum je ein Buch untergekommen, das so vor Tippfehlern wimmelt. Da betreibt jemand „Konservation“ oder bestellt sich einen grünen „Sakat“, Personen bekommen aufgrund verirrter Buchstaben plötzlich neue Namen. Meine Ausgabe ist von 2000, vielleicht ist das in einer aktuelleren Auflage nicht mehr so schlimm.

Für dieses Buch braucht man sehr viel Geduld und nicht allzu hohe Erwartungen. Meine Erwartungen waren sehr hoch, um so enttäuschter bin ich jetzt natürlich. Ich möchte den Roman dennoch nicht ganz als Zeitverschwendung abtun, manches hat mir sogar sehr gut gefallen. Aber das Negative überwiegt ganz deutlich. Leider.

 

Jetzt komme ich zu den wirklich interessanten Romanen über den Mars.

Das Rennen zum Mars von Gregory Benford (Rezension, 2009)

Klappentext:

Die erste bemannte Mission zum Mars verläuft ganz anders als sich das viele vorstellen: Da der NASA die nötigen Mittel fehlen, wird ein Preisgeld ausgesetzt für derjenigen, dem es als Erstem gelingt, den Roten Planeten zu erreichen und mit Bodenproben zur Erde zurückzukehren. Damit ist die Stunde des amerikanischen Unternehmers John Axelrod gekommen: Er wirbt die besten Astronauten an, um sie bei nächster Gelegenheit auf die Reise zu schicken. Die Aussichten, das Preisgeld zu gewinnen, stehen sehr gut für ihn – doch dann startet ein europäisch-chinesisches Konsortium ebenfalls ein Schiff. Das Rennen zum Mars beginnt!

Meine Meinung:

Der von der NASA geplante erste bemannte Flug zum Mars scheitert, das Raumschiff explodiert beim Start, die Besatzung stirbt. Es ist ein gewaltiges finanzielles Fiasko für die Weltraumbehörde. Alle Projekte zur Erkundung der Planeten des Sonnensystems werden eingestellt. Doch ganz aufgeben will die NASA dann doch nicht. Es wird ein Preis ausgeschrieben für denjenigen, der als erster auf dem Mars landet, Proben sammelt (und eventuell Spuren von Leben entdeckt) und zurückkehrt.
Der Multimilliardär John Axelrod, der schon immer vom Mars geträumt hat, aber bei der Astronauten-Ausbildung durchgefallen ist, erklärt sich daraufhin bereit, eine Expedition zum Roten Planeten zu finanzieren.
Schließlich starten vier Menschen zum Mars – die Biologin Julia, ihr Mann Viktor, Pilot und Kommandant, der Ingenieur Raoul und der Geologe Marc. Begleitet von einem unglaublichen Medienrummel verbringen sie nach der Landung fast zwei Jahre auf der Rostkugel. Als die Rückkehr ansteht tauchen allerdings Probleme auf.

Gregory Benford beschreibt in Das Rennen zum Mars alle möglichen Aspekte eines möglichen Mars-Fluges. Er schildert die Reaktionen der Politik, der Gesellschaft, der Medien und der Wirtschaft auf die erste bemannte Mars-Mission. Und das macht er gut, man kauft es ihm ohne weiteres ab. Er beschreibt das Leben auf dem Mars, seine Gefahren und seine lebensfeindliche Schönheit so plastisch, als hätte er das selbst alles erlebt. Da Benford Wissenschaftler ist, nehme ich an, dass er weiß, wovon er spricht, wenn er über Niedrigenergiefenster, Geologie und Biologie fachsimpelt. Das tut er aber in verständlichen Worten, so dass auch Laien kein Problem haben dürften zu verstehen, worum es geht.

Nicht sonderlich gefallen haben mir einige Klischees, die nicht wirklich hätten sein müssen. Ein Amerika-China-Duell, zum Beispiel, oder der Patriotismus, der auf manchen Seiten ins Auge sticht. Auch Dialoge sind nicht gerade prickelnd, die scheinen nicht wirklich Benford Stärke zu sein. Seine Helden sprechen so, als würden sie eine Pressemitteiliung vorlesen, viel Ungezwungenheit ist da nicht drin.

Trotzdem – ein sehr unterhaltsames Buch und für Fans des Roten Planeten ein Muss!

Marsdämmerung von Kevin J. Anderson
Den Autor kannte ich schon vor diesem Buch und bin deshalb recht skeptisch ans Werk gegangen. Der trockene Schreibstil ist nicht jederfraus Sache. Der Autor behält ihn auch in diesem Buch bei. Trotzdem ist die Story eine der interessantesten, die ich bisher über die Marsbesiedelung gelesen habe.
In einem ethisch sehr fragwürdigen Experiment werden Sträflinge operativ so verändert, dass sie ohne Schutzanzüge auf dem Mars überleben können. Sie vegetieren auf dem Mars vor sich hin. Als ihre Schöpferin auf den Roten Planeten verbannt wird, kommt es zur Konfrontation. Mit dabei ist noch eine dritte Partei, die alles dafür tun würde, den Mars für ihre Nachkommen zu sichern.
Dieses Buch hat sehr viel „Mars-Feeling“! Getoppt wird es in dieser Hinsicht nur noch von Der Marsianer von Andy Weir.

Eines der wohl bekanntesten Mars-Bücher ist der Roman Mars von Ben Bova. Samt der Fortsetzung Rückkehr zum Mars erzählt der Autor die spannende Geschichte einer Mars-Expedition. Er beleuchtet dabei die gesellschaftlichen und technologischen Aspekte einer Reise zum Mars. Wie u. a. Gregory Benford in seinem Buch bringt auch Bova eine marsianische Lebensform ins Spiel, die im Gegensatz zu der Benfords bereits seit Jahrmillionen ausgestorben ist. Wie reagiert der Rest der Welt auf eine solche Entdeckung?

Red Rising von Pierce Brown
Bei dem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe, die in ferner Zukunft spielt. Ich habe nur die ersten beiden Teile gelesen und plane, die anderen auch noch zu kaufen. Dabei hat mir Band 1 eigentlich nicht zu 100 % zugesagt. Das Buch hat eine interessante Prämisse: Die Gesellschaft auf dem terraformierten Mars ist an das alte Römische Imperium angelehnt, so dass man sich manchmal wie zu Zeiten Cäsars fühlt.
Ich glaube, gedacht war die Reihe als Jugenduchreihe, aber ich würde sie, wenn überhaupt, erst ab 16 empfehlen. Es geht nämlich ausgesprochen brutal zur Sache. Verrat und schreckliche Tode stehen in Red Rising hoch im Kurs. Der Held ist zunächst ein netter junger Mann, der seine große Liebe rächen will, mutiert aber schon bald zum rücksichtslosen und blutrünstigen Anführer. Das Buch ist also eher Geschmackssache. Wer auf Die Tribute von Panem steht, wird an Red Rising seine helle Freude haben. Alle anderen sollten zu etwas Leichterem greifen.

 

 

Eine weitere Reihe, von der ich bisher leider nur den ersten Teil kenne, ist Das Marsprojekt von Andreas Eschbach. Der erste Band heißt Das ferne Leuchten und handelt von vier Jugendlichen, die auf dem Mars aufgewachsen sind. Eines Tages beschließt die Regierung, die Marskolonie aufzugeben und alle Kolonisten zurück zur Erde zu holen. Die vier Freunde sind dagegen, denn sie haben die Erde nie gesehen und fühlen sich auf dem Mars zu Hause. Sie machen eine wichtige Entdeckung und das Blatt wendet sich.
Die Zielgruppe dieser Reihe sind Jugendliche, aber auch als erwachsener Mensch kann man mit den vier jungen Marsbewohnern mitfiebern.

Die Mars-Chroniken von Ray Bradbury
Ein Klassiker der Science-Ficition. Entstanden sind diese Chroniken (Kurzgeschichten) in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die einzelnen Geschichten sind alle sehr unterschiedlich. Manche sind spannend, manche witzig, manche skurril, andere sind nichts davon. Ich habe sie gelesen, weil Bradbury sie geschrieben hat und weil sie vom Leben auf dem Mars handeln. Besonders begeistert haben sie mich aber nicht. Viele alte Science-Fiction-Werke wirken heute völlig überholt und treffen deshalb längst nicht jeden Geschmack.

Ilium von Dan Simmons gehört streng genommen eigentlich nicht in die Kategorie Marsbücher. Aber der Roman spielt zu einem guten Drittel auf dem terraformten Mars, so dass ich ihn einfach mit in die Liste aufnehme. Ich habe es mehrmals gelesen und noch öfter als Hörbuch gehört. Im Vergleich zu den beiden anderen Handlungssträngen gerät die Reise von Mahnmut und Orphu über die Marsoberfläche (und über den Marshimmel) stellenweise etwas lang. Aber trotzdem bekommt man einen guten Eindruck von dem ehemals Roten Planeten mit seinen kilometertiefen Meeren und dem großen Vulkan am Horizont.

Mars Override von Richard Morgan ist in vielerlei Hinsicht eine Kopie von Das Unsterblichkeitsprogramm (Altered Carbon). Natürlich ist der Ort der Handlung ein anderer, die Hintergründe ebenfalls. Aber die Atmosphäre ist ähnlich, es geht hier wie dort um einen Ex-Soldaten, der eine Aufgabe zu lösen hat und dabei nicht besonders sanft vorgeht.

 

Rezension:

Der Ex-Elitesoldat Hakan Veil ist vor Jahren auf dem Mars gestrandet und will nur noch nach Hause, zurück auf die gute alte Erde. Dafür übernimmt er verschiedene schlecht bezahlte Aufträge. Er lässt sich als Bodyguard engagieren oder als Auftragskiller, und ist dabei nicht wählerisch.
Veil wurde bereits als Fötus genetisch und technisch aufgerüstet, um als Erwachsener für den Mutterkonzern die Drecksarbeit zu machen. Sein Organismus läuft auf Hochtouren, Veil ist nahezu unverwüstlich. Doch er hat eine Schwachstelle: Vier Monate im Jahr muss er schlafen, damit sich der Körper regenerieren kann.

Inmitten politischer Wirren auf dem Mars bekommt Veil den Auftrag, auf eine Abgesandte der Erde aufzupassen, Madison Madekwe. Natürlich gäbe es keine Geschichte, wenn dieser Auftrag nicht fürchterlich schief gehen würde. Madekwe, zu der Veil sich hingezogen fühlt, wird von Rebellen verschleppt. Veil wittert seine Chance, ein Ticket zur Erde zu ergattern und setzt alles daran, die Erdbewohnerin zurückzuholen.

Zeitweise hatte ich das Gefühl, im Wilden Westen der USA festzustecken. Nur auf dem Mars und technologisch weit fortgeschrittener als im 19. Jahrhundert. Die Details, die Richard Morgan einem hier um die Ohren haut, sind nahezu unüberschaubar. Ich gestehe, dass ich nicht immer wusste, was denn jetzt schon wieder passiert. Ähnlich ging es mir auch mit den Figuren. Wer ist wer und warum tut er/sie was und wie?
Bei einem Buch dieser Komplexität wünscht man sich ein Glossar und ein Personenverzeichnis. Ich weiß nicht, ob es in der gedruckten Ausgabe so ein Verzeichnis gibt, aber im Hörbuch fehlt es natürlich. Ich weiß schon, warum ich mir zu manchen Hörbüchern zusätzlich noch das Buch dazukaufe. Insbesondere, wenn Namen gleich klingen, blickt man nicht mehr durch.

Mars Override ist ein knallharter Actionschinken, es fließt reichlich Blut (und nicht wenig andere Körperflüssigkeiten). Veil walzt wie ein Panzer gnadenlos alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Er ist allerdings kein schlechter Mensch, in vielen Situationen hat er das Herz am rechten Fleck, handelt anständig und schätzt die wenigen Freunde, die er hat. Hin und wieder erinnert er sich an seine Vergangenheit, so dass man begreifen kann, wie er zu dem (gemacht) geworden ist was er ist.

Weil die Handlung auf dem Mars spielt, kommt es in meine Marsbücher-Kategorie. Allerdings hat es den häufig anzutreffenden „Marsbücher-Fehler“: Das Marsfeeling fehlt nahezu ganz. Ok, es wird immer wieder der Staub erwähnt, zwei-drei Mal sogar die geringe Schwerkraft, aber genauso gut hätte Mars Override in einer staubigen Ortschaft irgendwo auf der Erde spielen können.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir das Buch mit Einschränkungen durchaus gefallen hat. Ich mag die raue Welt von Veil und hoffe, dass der Autor wie bei Altered Carbon ein paar Fortsetzungen schreibt. Ich werde mir irgendwann das Taschenbuch fürs Bücherregal kaufen und mir in ein-zwei Jahren das Hörbuch noch einmal anhören.

 

 

Natürlich fehlt noch ein ganz besonderes Buch in meiner Auflistung der von mir gelesenen Mars-Bücher. Es ist Der Marsianer von Andy Weir.

Der Marsianer (Rezension, 2014)

Handlung:

Bemannte Marsmissionen sind Realität geworden. Mit Ares-3 ist bereits die dritte Mannschaft auf dem Roten Planeten gelandet. Sie soll einen Monat bleiben und dann nach Hause zurückkehren. Als jedoch ein Marssturm das Startmodul zu beschädigen droht, muss die Mission nach nur sechs Tagen abgebrochen werden. Bei der Evakuierung wird der Botaniker und Ingenieur Mark Watney von einer Satellitenschüssel getroffen und anschließend von einer Antenne durchbohrt. Seine Kameraden haben keine Zeit ihn zu suchen, denn das Modul hat im Sandsturm schon eine gefährliche Neigung erreicht und droht zu kippen. Da die Biomonitore von Marks Raumanzug nicht mehr senden, geht alle Welt davon aus, dass er der erste auf dem Mars gestorbene Mesch ist.
Aber Mark kommt wieder zu sich. Allein.

Meine Meinung:

Die Idee, einen Menschen irgendwo stranden zu lassen, ist nicht neu, Daniel Defoe lässt grüßen. Aber Robinson Crusoe saß auf einer hübschen Insel fest, Mark Watney dagegen auf dem Mars, wo buchstäblich alles ihn töten kann. Sein Überlebenskampf ist beeindruckend, zwar hat er zeitweise Hilfe von der NASA, aber diese Hilfe besteht nur aus guten Ratschlägen. Die nächste Marsmission, die ihn retten könnte, ist Jahre entfernt.

Aber Mark hat zwei Verbündete in seinem Kampf gegen den Mars: seinen Erfindungsreichtum und seinen Humor. Da Mark eine Art Tagebuch führt und ganze Passagen des Buches in der Ich-Form geschrieben sind (nicht alle), kommt der Leser in den Genuss dieses trockenen Humors. Sicher ist ihm während so mancher gefährlicher Situationen nicht nach Lachen zumute, aber wenn er hinterher die Erlebnisse in sein Logbuch schreibt, kann man sich als Leser das Grinsen kaum verkneifen. Der andere Verbündete rettet ihm immer wieder das Leben. Mark muss große Risiken eingehen, um an für uns ganz normale Dinge wie Wasser, Luft und Essen zu kommen. Nichts davon gibt es auf dem Mars.

Natürlich ist das Buch an manchen Stellen recht vorhersehbar (z. B. der obligatorische Sandsturm auf Marks Route zum Krater), aber selbst diese Stellen sind spannend und vermitteln einem das Gefühl, live dabei zu sein.

Den Zauber dieses Buches macht die Authentizität aus. Mark Watney rechnet seinen Lesern immerzu etwas vor, erklärt die physikalischen Zusammenhänge. Das ist selbst für Mathe- und Physik-Muffel spannend. Die Schilderung des Überlebenskampfes auf einem lebensfeindlichen Planeten, die Rettungsversuche der NASA – all das ist ungeheuer realistisch. Man munkelt, die NASA habe das Buch für ihre angehenden Astronauten zur Pflichtlektüre bestimmt. Kurz, man merkt, dass Andy Weir sich schlau gemacht hat.
Das einzig Unglaubwürdige in dem ganzen Roman ist der Sandsturm auf den ersten Buchseiten. Das gibt Weir aber unumwunden zu und behauptet, das sei Absicht gewesen. Er habe eine Katastrophe gebraucht, die einen Abbruch der Marsmission und den Beginn von Watneys Robinsonade zur Folge hatte.

Der Marsianer ist DAS Buch über den Mars. Realistisch, packend, lehrreich. Alles in allem ein rumdum gelungenes Buch, nicht nur für Science-Fiction-Fans.

 

Was  an dieser Marsbuchparade auffällt, ist, dass sie alle von Autoren stammen. Ich habe nicht ein Marsbuch im Regal, das von einer Autorin verfasst worden ist, mal abgesehen von meiner eigenen Kurzgeschichtensammlung ARES. Auf Instagram habe ich bereits Tipps bekommen, was Titel von Autorinnen angeht. Ich werde berichten!

Der Text erschien zuerst in kleineren Posts in meinem Telegram-Kanal  und die Rezensionen zum Teil hier.

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